Der Amphibienzaun in Eldena

Bestimmung der Tiere am Amphibienzaun Eldena/ März 2008; Foto: Sebastian Stentzel
Bestimmung der Tiere am Amphibienzaun Eldena/ März 2008; Foto: Sebastian Stentzel

Jedes Jahr im Frühling wird der Amphibienzaun in Eldena von engagierten Freiwilligen aufgebaut und betreut. Die Schutzaktion kann im Jahr 2010 auf eine erfolgreiche 18-jährige Tradition zurückblicken. Begonnen im Jahr 1992 durch die Untere Naturschutzbehörde Greifswald mit Hilfe von Zivildienstleistenden, übernahm der Naturschutzbund Deutschland e. V. vertreten durch die Ortsgruppe Greifswald (Wulf Hahne) die Organisation seit 2003. Heute sind NABU-Aktive und insbesondere Studenten der Universität Greifswald an der Schutzaktion beteiligt.

Grasfrösche und Erdkröten im Transporteimer/ März 2008
Grasfrösche und Erdkröten im Transporteimer/ März 2008

Pro Jahr passieren an der Hainstraße etwa 1000 Erdkröten und andere Amphibienarten die Hainstraße. Der Hauptanteil wandert oft in nur wenigen Nächten. Im Jahr 2011 wurde erstmals auf den Aufbau des Zaunes verzichtet, da sich die Wanderung mehr und mehr auf den "ampihbiensicheren" Bereich an der Pappelalle konzentriert.

Greifswald/Eldena: Das neue Wohngebiet in der Bildmitte (Quelle: GoogleEarth)
Greifswald/Eldena: Das neue Wohngebiet in der Bildmitte (Quelle: GoogleEarth)
Morgendliche Zaunkontrolle am Amphibienzaun Eldena/ März 2009
Morgendliche Zaunkontrolle am Amphibienzaun Eldena/ März 2009

Die hauptsächlich im Wald "Elisenhain" (rechte, untere Ecke in der Karte) überwinternden Amphibien wandern in warmen und feuchten Frühlingsnächten zu ihrem "neuen" Laichgewässer, dem Regenrückhaltebecken (am linken Kartenrand). Dabei wandert der Großteil der Tiere zunehmend und ziemlich genau entlang der Pappelallee (unten in der Karte) und durch die Kleingärten südlich dieses Weges.
In den Anfangsjahren der Schutzaktion lag das Zielgewässer der Amphibien an der Lindenstraße Ecke Gartenweg (linke obere Kartenecke).
Der dortige"Friedhofsteich"verlor durch die Ausweisung des Wohngebietes, die verstärkte Verkehrsnutzung der Lindenstraße, sowie durch eine starke Grundwasserabsenkung zwangsläufig an Bedeutung für die Amphibien. Größere Verluste wurden vor allem der wanderfreudigen Erdkröte zugefügt. Die in Deutschland stark gefährdete Rotbauchunke (Bombina bombina) konnte 2003 das letzte Mal in diesem Gebiet nachgewiesen werden.

Nicht selten ein nützlicher Gast in Gärten: Der Grasfrosch (Rana temporaria)
Nicht selten ein nützlicher Gast in Gärten: Der Grasfrosch (Rana temporaria)

Durch hohe Bordsteinkanten im Bereich des neuen Wohngebietes, die wie "Leiteinrichtungen" wirken und in Gullies enden, wurde die Anzahl der laichenden Froschlurche jedes Jahr etwas mehr dezimiert. Da seit Jahren nur die Hinwanderung mit dem Zaun gesichert wird, jedoch die Rückwanderung ungeschützt bleibt, nimmt das Wandergeschehen entlang der Hainstraße zusätzlich von Jahr zu Jahr ab und verlagert sich auf die Pappelallee. Hier gibt es keinen Verkehr mit Autos und der jährliche Aufbau des Zaunes ist somit aus fachlichen Gründen nicht mehr zu begründen. Die Amphibien wandern zu dem geeigneteren Gewässer an der Pappelallee. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter
"Laichgewässer Eldena".

 

Die Fangergebnisse zwischen 2003 und 2009 deuten zu unserer Freude auf einen positiven Bestandstrend hin. Der drastische Bestandseinbruch im Jahr 2010 konnte nicht geklärt werden.

Art 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Erdkröte 344 467 787 680 658 k.A. 1054 588 Zaun nicht gestellt
Grasfrosch 4 24 6 3 7 k.A. 44 6  
Moorfrosch 1 5 14 19 1 k.A. 18 6  
Wasserfrösche 3 24 6 3 7 k.A. 4 0  
Teichmolch 0 0 2 3 0 k.A. 1 3  
Laubfrosch 1 3 2 3 2 k.A. 1 2  
Rotbauchunke 6 0 0 0 0 k.A. 0 0  
Kammmolch 0 0 0 0 0 k.A. 0 1  
Erdkröten-Paar (Bufo bufo) auf Wanderschaft zum Regenrückhaltebecken Eldena
Erdkröten-Paar (Bufo bufo) auf Wanderschaft zum Regenrückhaltebecken Eldena

Ein Ersatzlaichgewässer jenseits der Hainstraße und der Pappelallee soll die Situation für die Amphibien in Zukunft weiter verbessern und den personellen Aufwand eines mobilen Amphibienzaunes an der Hainstraße zu Gunsten anderer Konfliktbereiche in Greifswald und Umgebung entbehrlicher machen. Dies ist eine Aufgabe der Fachgruppe. Ein 2-jähriges Monitoring zur Kontrolle der Bestände am Elisenhain ist dennoch sinnvoll und soll weiterhin in Form eines Amphibienzaunes durchgeführt werden.

Der Dorfteich Eldena

7 Arten in einem Fangeimer - der Dorfteich Eldena ist reich an Amphibien.
7 Arten in einem Fangeimer - der Dorfteich Eldena ist reich an Amphibien.

Seit 2010 wird ein weiterer Amphibienzaun am Dorfteich Eldena betreut, um hier das Überfahren von gefährdeten Amphibienarten einzuschränken und einen Überblick über Individuenzahlen und Arteninventar zu erhalten.

Art 2010 2011 2012
Erdkröte 114 49 36
Grasfrosch 68 63 49
Moorfrosch 15 10 13
Teichfrosch 48 71 3
Laubfrosch 2 0 0
Knoblauchkröte 1 0 0
Teichmolch 873 942 399
Kammmolch 159 132 195
Zahlreich im Teich aber nicht in den Eimern - der Laubfrosch ist ein Kletterkünstler
Zahlreich im Teich aber nicht in den Eimern - der Laubfrosch ist ein Kletterkünstler

Das Gewässer beherbergt eine Reihe von geschützten Amphibienarten. Die Daten werden den Behörden zur Verfügung gestellt. Sie sollen bei eventuellen Baumaßnahmen im Umland oder einer Veränderung der Straße als Argumentationsgrundlage für Amphibienschutzmaßnhamen dienen.
Weitere Informationen zu Amphibienzäunen in Greifswald und anderswo können in der Schutzzaundatenbank des Bundesfachausschusses für Feldherpetologie (siehe Links) abgerufen werden.