NABU-Streuobstgruppe Greifswald

 Kontakt: streuobst(ät)nabu-greifswald.de

Habt Ihr Interesse an Streuobstwiesen und regionaler Sortenvielvalt? Wir werden auch im Winterhalbjahr 2017/18 wieder Pflegeeinsätze und einen Veredelungstag anbieten.

 

Die NABU Streuobstgruppe kooperiert mit dem neuen Sortenschaugarten für alte Obstsorten in Ranzin.

Infos: www.waldsaumgarten.de

 

 

Fachgruppe Streuobst

Die zentralen Aufgaben unserer Fachgruppe liegen zum einen in der Pflege von Streuobstwiesen und Obstalleen in Greifswald und Umgebung, insbesondere soll die Streuobstwiese am Heizkraftwerk (Helmshäger Berg) wieder gepflegt werden, wozu (Alt-)Baumschnitt, Mahd, das Freilegen der Wurzelbereiche, das Pflanzen neuer Bäume und Ernte gehören. Zum anderen möchte die Streuobstgruppe Wissen erhalten und vermitteln, rund um das Thema Streuobst und den Erhalt alter und regionaler Obstsorten. Interessierte und tatkraftige Menschen sind herzlich willkommen uns bei unseren Aktionen zu unterstützen und sich einzubringen.

 

Werde Streuobstwiesenretter und Sortenerhalter! Wir wollen mehr werden.

Kontakt zur Streuobstfachgruppe in Greifswald:

streuobst@nabu-greifswald.de

Streuobstnetzwerk MV

streuobstnetzwerk-mv.de

Baumpate werden?

..im neuen Sortenschaugarten des Kunst und Natur e.V. die Vielfalt der vorpommerschen Obstsorten erhalten.

http://www.kunstundnatur-steinfurth.de/waldsaumgarten/obstsortenerhaltung/

Was ist Streuobst?

Unter der Bezeichnung Streuobstwiesen versteht man die traditionelle und extensive Form des Obstbaus, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts landschaftsprägend genutzt wurde und in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt wird. Der Baumbestand besteht aus hochstämmigen also großwüchsigen Bäumen.Sie wurden in lockeren/weiten Reihen mit Abständen von 8 bis 12m angepflanzt, unter denen in früheren Zeiten auch Feldfrüchte angebaut wurden. Verwendung finden Kern- (Apfel, Birne, Quitte) und Steinobst (Pflaume, Kirsche, Pfirsich) als auch Nußbäume (Walnuß). Durch die lichte Bedeckung läßt sich das Grünland im Unterwuchs zur Gewinnung von Viehfutter, oder in älteren Beständen als Viehweiden, nutzen. Die Obstbäume setzen sich aus vielen verschiedenen, regional angepaßten Sorten zusammen und können viele Jahrzehnte Obst liefern. Obstbäume wurden in Vorpommern auch als Begleiter an Straßenrändern gepflanzt und bilden im Frühjahr wunderschön blühende Obstalleen. Das Straßenobst zog sich in den 1990ern entlang von ca. 1.500 km Straßenrand in Mecklenburg-Vorpommern.

Was nützt uns das Streuobst?

Nicht nur als regionaler und gesunder Nahrungsspender sind die Obstwiesen zu gebrauchen. Sie sind wertvoll für die Regeneration und Erholung des modernen gestressten Menschen. Sie wurden bevorzugt an Dorfränder oder in Gutsgärten gepflanzt und bilden dabei einen wertvollen und hübschen Schutzgürtelum die Siedlungen, der das Kleinklimaverbessert.

 

Der Unterwuchs der Wiesekann für Beweidung oder Heumahd genutzt werden. Die Blüten der Bäume und Wiesen stellen eine wichtige Tracht für die Wild- und Honigbienen da. Das geschnittene Holzder vergreisten alten Bäume bzw. aus dem Baumpflegeschnitt kann als Heizmaterial oder für Tischlerei und Kunstwerk verwendet werden, sofern eine ökologische Nutzung als Heckenwall für Wildtiere nicht Vorrang hat.

 

Auf und von einer Streuobstwiese leben Hunderte bis Tausende von Lebewesen. Dieser vielfältige und kulturell wertvolle Lebensraumoder Habitat vermittelt zwischen Wald- und Offenland. Dabei entstehen viele Kleinstbiotope durch den Wechsel von feuchten zu trockenen und hellen zu schattigen Standorten mit unterschiedlich hoch wachsender Vegetation mit verschiedenen Boden- und Klimaansprüchen. Deshalb finden sich hier auch Tiere und Pflanzen aus verschiedenen Lebensräumen gemeinsam und somit erhöht sich die Diversität. Der Lebensraum Streuobstwiese ist einer der artenreichsten in Mitteleuropa, nicht zuletzt durch die Kombination mit Wildobstheckenmit verschiedenen Sträuchern und niedrigwüchsigen Bäumen.

 

Ein wichtiger Landschaftsbestandteil sind auch die einzeln stehenden Solitärbäume, da gerade sie eine wichtige Lebensraumfunktion/Trittsteine für verschiedene Tierarten, wie Käuze, Insekten und Säugetiere in einer sonst artenarmen Kulturlandschaft darstellen.

Gefährdung der Streuobstwiesen

Gefährdet waren Streuobstbestände in den 1950er bis 1970er Jahren durch teils öffentlich geförderte Rodungen, die meist die Umwandlung in niederstämmige Monokulturen zum Ziel hatten. Heutzutage sind Streuobstbestände direkt am stärksten durch Bebauung, in Ballungsräumen durch Intensivierung in Gartengrundstücke mit englischem Rasen, Zäunen, Hütten und Nadelbäumen sowie in ländlichen Räumen durch Nutzungsaufgabe und Verbrachung gefährdet. Ursache hierfür ist die häufig mangelnde Rentabilität des Streuobstbaus im Vergleich zu den rationeller zu bewirtschaftenden Niederstamm-Plantagen im Tafelobstbau. Bei der Direktvermarktung von Saft und der Kleinbrennerei war und ist die Streuobst-Bewirtschaftung vergleichsweise rentabel.

Wo sind noch Streuobstwiesen in Vorpommern zu finden?

Die neuesten Anlagen finden sich bei Greifswald am Gewerbegebiet Helmshäger Berg und hinter der Umgehungsstraße in Groß-Schönwalde. Alte Streuobstanlagen in Vorpommern finden sich nur noch im Pfarrgarten Starkow bei Velgast, im alten Gutspark in Lüssow bei Gützkow und vielleicht in einem Pfarrgarten in deiner Nähe. Es gibt noch mehr Obst an Alleen, wie z.B. die Straßen um Groß Kiesow. Wenn du noch weitere Streuobstbestände findest sind wir dankbar über Hinweise. Um die aktuelle Situation des Streuobstes in M-V zu erfassen hat das Streuobstnetzwerk M-V 2011 die digitale Erfassung im Internet gestartet, an der jeder mitwirken kann (mit Registrierung). http://streuobst.flora-mv.de/

Wie kann ich Streuobst erhalten oder anlegen?

Um die Arten- und Sortenvielfaltmöglichst zu erhalten, sollten einige Dinge beachtet und getan werden. In jedem Fall lohnt sich die Anlage einer neuen oder Pflege einer verwilderten oder Nachpflanzung einer verschwundenen bzw. lückenhaften Streuobstwiese oder –allee.

 

Der Pflanzenschutz ist eher als Vorsorge bei der Anpflanzung zu betrachten, indem regional angepasste und robuste Sortenauf starkwachsenden Sämlingsunterlagen gepflanzt werden. Leimringe oder Kalkanstrich können Starken Schädlingsbefall oder Frostschäden verhindern oder dezimieren. Schädlinge wie die Wühlmaus, Apfelwickler, Läuse, Frostspanner oder Kirschfruchtfliege werden ganz natürlich durch die Nützlinge, wie Sing- und Greifvögel, Marienkäferlarven, Ohrwürmer, Hornissen und Fledermäuse in Schach gehalten.

 

In Jungbaumbeständen sollten Nistmöglichkeitenfür Vögel und Kleinsäuger und Ansitze für Greifvögel geschaffen werden. Totholzsollte möglichst stehen oder liegen gelassen bzw. als Hecken aufgestapelt werden, um Lebensraum für Pilze, Flechten und Insekten zu erhalten. Die Anlage von Wildobstheckenum die Streuobstwiesen bietet weiteren Schutz und Lebensraum für die Wildtiere. Die Wiese sollte gemäht oder beweidet werden, um den jagenden Tieren optimale Bedingungen zu schaffen. Dabei muss man darauf achten den Mahdtermin spät im Jahr, nicht vor dem Juli, zu legen, damit die Bodenbrüter verschont bleiben.

 

Alte Bäume sollten möglichst lange gepflegt und somit für Specht, Insekten und viele andere Spezialisten unter den Tieren erhalten werden. Ihre Asthöhlen sind wichtige Brutstätten. Krankes Holzsollte entfernt und schwere Äste müssen gestützt werden. Bei Bedarf sollte mit Mist gedüngt werden, um die Bäume zu kräftigen. Neupflanzungen sind zur Verjüngungder Streuobstbestände notwendig. Nach Empfehlungen des NABU kann nur ein Jungbaumanteil (< 10 Jahre) von mind. 12-15 % den Bestand langfristig sichern. Außerdem dienen Neupflanzungen zur Neubegründung von Streuobstbeständen im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, zur Sicherung der dauerhaften Existenz von extensivem Grünland und zur Abrundung und Verbesserung des Dorfbildes sowie zur Strukturanreicherung in der Landschaft.

 

Welche Informationsquellen und Ansprechpartner zu Streuobst gibt es in M-V?

Anleitungen und Empfehlungen finden Sie auf den Internetseiten:

  • im Lehrstättenprogramm des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) in Güstrow
  • im Pomologen-Verein e.V. Landesverband MV werden Seminare und Sortenbestimmungskurse angeboten